Die Auswahl des Betreuers

Die Auswahl des Betreuers trifft das Gericht nach den in §§ 1897 bis 1900 BGB festgelegten Bestimmungen.

Betreuerfähigkeit

Zum Betreuer bestellt werden können:

  • natürliche Personen (§ 1897 I BGB),
  • anerkannte Betreuungsvereine (§ 1900 I BGB),
  • die zuständige Betreuungsbehörde (§ 1900 IV BGB).

Dieses ist zugleich Rangfolge.

  • Einen Verein bestellt das Gericht nach § 1900 I 1 BGB nur, wenn eine Betreuung durch natürliche Personen nicht hinreichend möglich ist.
  • Die zuständige Behörde darf nach § 1900 IV 1 BGB nur bestellt werden, wenn auch kein anerkannter Betreuungsverein zur Verfügung steht.

Verein und Behörde sind als Betreuer gemäß § 1900 III BGB verpflichtet, es auch später noch mitzuteilen, wenn die Betreuung durch natürliche Personen übernommen werden kann. Das Gericht muß die Behörde oder den Verein dann entlassen und eine natürliche Person bestellen (§ 1908b V BGB).

Auswahlkriterien bei natürlichen Personen

Als natürliche Personen kommen in Betracht:

  • Angehörige,
  • andere ehrenamtliche Betreuer,
  • selbständige Berufsbetreuer,
  • hauptamtliche Mitarbeiter eines anerkannten Betreuungsvereins (§ 1897 II 1 BGB: „Vereinsbetreuer”),
  • Bedienstete der zuständigen Behörde (§ 1897 II 2 BGB: „Behördenbetreuer”).

Auch hier gibt es eine Rangfolge: Den letzten drei Gruppen ist gemein, daß sie die Betreuung im Rahmen ihrer Berufsausübung führen, und deshalb Anspruch auf eine angemessene Vergütung haben (§§ 1908i I 1, 1836 I 2 BGB). Solche Betreuer dürfen nur bestellt werden, wenn kein geeigneter ehrenamtlicher Betreuer zur Verfügung steht (§ 1897 VI 1 BGB). Der Berufsbetreuer ist verpflichtet, es dem Gericht mitzuteilen, wenn er der Ansicht ist, daß die Betreuung durch eine geeignete Person ehrenamtlich weitergeführt werden kann (§ 1897 VI 2 BGB). Das Gericht soll den Berufsbetreuer dann entlassen und einen ehrenamtlichen Betreuer bestellen (§ 1908b I 2 BGB). Selbst wenn die Aufgaben für einen ehrenamtlichen Betreuer zu umfangreich sind, sind sie mehreren ehrenamtlichen Betreuern zu übertragen, ehe ein Berufsbetreuer bestellt werden darf.

Diese Rangfolge ist durch die Betreuungsrechtsreform am 1. Januar 1999 in das Gesetz eingefügt worden. Sie soll vor allem der Kostendämpfung dienen, wie sich unschwer daraus ergibt, daß dem Vertreter der Staatskasse insoweit ein eigenständiges Beschwerderecht zusteht (§ 304 I FamFG). Der nunmehr eingeführte Vorrang des Ehrenamtes wird aber das Grundproblem nicht lösen können, nämlich daß sich keine ausreichende Anzahl von qualifizierten Personen meldet, die zur ehrenamtlichen Übernahme von Betreuungen bereit wären.

 
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