Geeignetheit

Wer zum Betreuer bestellt werden soll, muß in doppelter Hinsicht dazu geeignet sein (§ 1897 I BGB), nämlich fachlich und persönlich.

Fachlich geeignet ist der Betreuer, wenn er die ihm zugewiesenen Aufgabenkreise zweckentsprechend besorgen kann.

Persönlich ist zum Betreuer geeignet, wer die Gewähr bietet, daß er den Betroffenen „im erforderlichen Umfang” auch „persönlich” betreuen kann. Der Betroffene soll nicht zur anonym verwalteten „Nummer” werden, wie es unter dem alten Recht zum Teil der Fall war. Es besteht hier ein enger Zusammenhang mit der in § 1901 III 3 BGB geregelten Besprechungspflicht. Die Eignung zur persönlichen Betreuung kann insbesondere bei Überlastung fehlen. Wohl aus diesem Grund sind alle Berufsbetreuer ab dem Geschäftsjahr 1999 verpflichtet, der Betreuungsbehörde jedes Jahr eine Meldung über die Zahl der von ihnen geführten Betreuungen und der erhaltenen Vergütung abzugeben (§ 10 I VBVG). Allerdings gibt es bis jetzt keine zuverlässigen Kriterien für die Feststellung einer Überlastung.

Die Geeignetheit zum Betreuer ist in ihren Einzelheiten nicht allgemein definierbar, da sie von den konkreten Umständen abhängt.

Dabei könnte folgender Kriterienkatalog herangezogen werden. Welche der genannten Kriterien im Einzelfall und in welchem Ausmaß ausschlaggebend und welche unbedeutend sind, muß das Gericht anhand des Einzelfalles entscheiden:

persönliche Voraussetzungen können sein:

  • Kontaktfreudigkeit
  • persönliche Reife
  • Bereitschaft, für behinderte Menschen tätig zu sein
  • Belastbarkeit
  • hohe Frustrationstoleranz
  • Bereitschaft sich im Lebensumfeld "unbeliebt" zu machen
  • Selbstregulation der eigenen Psychohygiene
  • Kritikfähigkeit
  • Flexibilität
  • Realitätsbezogenheit
  • lebenspraktische Kenntnisse und Fähigkeiten
  • Selbständigkeit
  • Bereitschaft zu verantwortungsbewußtem Handeln
  • Reflexionsvermögen
  • Genauigkeit
  • Bereitschaft zu Aus- und Weiterbildung

fachliche Voraussetzungen können sein:

  • umfassende Kenntnisse im bürgerlichen Recht, Sozialrecht nebst der Nebengesetze und des
  • dazugehörigen Verfahrensrecht ( rechtliche Besorgung der Angelegenheiten )
  • Kenntnisse der Grundzüge der Rechtsordnung und der Gerichtsbarkeit
  • wirtschaftliche Grundkenntnisse
  • Kenntnis der öffentlichen Verwaltung
  • Kenntnis des sozialen Netzes des Einzugsbereichs
  • medizinische Kenntnisse
  • psychiatrische Kenntnisse
  • heilpädagogische Kenntnisse
 
Sie sind hier: Betreuung | Auswahl des Betreuers | Geeignet