Folgende Varianten der Bestellung mehrerer Betreuer sind möglich:

ehrenamtliche Nebenbetreuer (§ 1899 I 2 BGB)

Die Angelegenheiten des Betreuten sind auf mehrere Aufgabenkreise aufgeteilt und jeder Betreuer ist innerhalb des ihm zugewiesenen Aufgabenkreises allein zuständig.

Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn ein Angehöriger, der grundsätzlich in Frage kommt, in geschäftlichen Dingen unerfahren ist. Dann kann für die Vermögensverwaltung ein anderer bestellt werden. Umgekehrt kann es sinnvoll sein, den Angehörigen, der das Vermögen vielleicht bisher schon verwaltet hat, aber sehr weit weg wohnt, von der mehr persönlichen Kontakt voraussetzenden Sorge für die persönlichen Angelegenheiten zu entlasten.

Nur ein Sonderfall von § 1899 I 2 BGB ist der zuweilen so bezeichnete Ergänzungsbetreuer, der für eine einzige Angelegenheit bestellt wird, weil der - sonst umfassend zuständige - Betreuer an ihrer Erledigung rechtlich gehindert ist. Das beruht dann in der Regel auf den gesetzlichen Vertretungsverboten der § 181 oder §§ 1908i I 1, 1795 BGB. Richterliche Vertretungsverbote nach §§ 1908i I 1, 1796 BGB sind selten.

Mitbetreuer (§ 1899 III BGB)

Alle Betreuer haben dieselben Aufgabenkreise. Die Betreuer können nur gemeinsam wirksam handeln, müssen ihre Entscheidungen also einverständlich treffen. (Das Betreuungsgericht kann aber auch etwas anderes bestimmen, z.B. einen Stichentscheid anordnen oder, daß von drei Betreuern jeweils zwei gemeinsam wirksam zu handeln berechtigt sind.)

Das dürfte immer dann die beste Lösung sein, wenn Eltern eines Kindes, das erwachsen wird und zugleich einen Betreuer braucht (Fall des § 1908a BGB), dies gemeinsam übernehmen können und wollen. Damit kann erreicht werden, daß die bisherige Zuständigkeit nahtlos weiterbesteht. (Es ist allerdings nicht in allen Fällen sinnvoll, daß die Eltern das volljährig gewordene Kind weiterbetreuen!)

Mischformen

Denkbar, in der Praxis aber selten, sind auch Lösungen, die die in § 1899 I 2 und III BGB genannten Möglichkeiten mischen. So kann auch dem Betreuer A ein Teil der Angelegenheiten alleine übertragen werden während andere Angelegenheiten von den Betreuern A und B nur gemeinsam erledigt werden können. Auf diese Weise kann das Betreuungsgericht sicherstellen, daß an bestimmten, besonders wichtigen Entscheidungen mehrere Betreuer mitwirken.

Ersatzbetreuer (§ 1899 IV BGB)

Wie bei Mitbetreuern decken sich die Aufgabenkreise. Aber der Ersatzbetreuer kann nur handeln, wenn der in erster Linie bestimmte Betreuer entweder gestorben, abberufen oder sonst verhindert ist, oder ihm im Einzelfall den Auftrag zum Handeln gibt.

Sinnvoll ist das, wenn abzusehen ist, daß der Betreuer bald wegfallen (z.B. durch Ausscheiden aus dem Verein bei einem Vereinsbetreuer) oder häufig verhindert sein wird. (Die in erster Linie in Frage kommende Schwester hält sich regelmäßig für längere Zeit im Ausland auf.) Häufig und ebenfalls sinnvoll ist die Bestellung des Vereins zum Ersatzbetreuer, wenn ein Vereinsbetreuer bestellt wird. Das sorgt für nahtlosen Übergang bei Mitarbeiterwechsel und erleichtert zugleich die Urlaubs- und Krankheitsvertretung.
Auch freie Berufsbetreuer werden für den Fall, daß sie in Urlaub gehen oder krank werden, regelmäßig einen solchen Ersatzbetreuer benötigen. Das sehen allerdings nicht alle Gerichte so. Einige bestellen ihn regelmäßig mit, andere nur auf Antrag im Einzelfall.

Gegenbetreuer (§§ 1908i I 1, 1792 BGB)

Der Gegenbetreuer betreut selbst überhaupt nicht. Er übernimmt dafür einige - sonst vom Betreuungsgericht wahrzunehmende - Kontrollaufgaben. Deshalb hat er auch ein Auskunfts- und Einsichtsrecht aus §§ 1908i I 1, 1799 II BGB. Außerdem ist für bestimmte Geschäfte seine Genehmigung notwendig.

Ein Gegenbetreuer soll bestellt werden, wenn ein erhebliches Vermögen zu verwalten ist, es sei denn, es wären hierfür mehrere Betreuer bestellt worden (§§ 1908i I 1, 1792 II BGB). Damit sind Mitbetreuer gemeint, denn nur solche kontrollieren sich ja gegenseitig und machen folglich den Gegenbetreuer überflüssig. Eigentlich ist anzunehmen, daß die Voraussetzungen für die Bestellung eines Gegenbetreuers häufig vorliegen. In der Praxis kommt er aber trotzdem nur selten vor. Die Bestellung eines Gegenbetreuers ist ausgeschlossen, wenn die Betreuungsbehörde Betreuer ist (§§ 1908i I 1, 1792 I 2 BGB). Die Betreuungsbehörde kann aber selbst Gegenbetreuer sein.

 
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